Im Rahmen von agilem Arbeiten sind viele Methoden entstanden, die die Umsetzung agiler Prinzipien und Werte vereinfachen sollen.

Während sich manche dieser Methoden in der Praxis wahrscheinlich nie flächendeckend durchsetzen werden, gibt es andere (wie Pre-Mortem), von denen man nur hoffen kann, dass sie es tun!

In dieser Reihe stellen wir euch drei agile Methoden vor, von denen wir überzeugt sind, dass sie gekommen sind, um zu bleiben:

Pre-Mortem: eine bessere Art, Projekte zu planen

Das Konzept von Pre-Mortem (“Vor dem Tod”) bedient sich der einfachen psychologischen Tatsache, dass unser Gehirn unter anderem darauf ausgelegt ist, Risiken vorherzusehen, um so – gerade aus evolutionärer Sicht – das Überleben zu sichern.

Genau diese Fähigkeit wird mit Pre-Mortem auf Projekte angewandt – man sammelt mit allen Projektbeteiligten in einem Brainstorming Ideen zu der Fragestellung:

Wenn unser Projekt scheitern sollte, woran würde das liegen?

Dieser Ansatz dient dazu, Projektrisiken unter Einbeziehung der Erfahrung aller Projektbeteiligten optimal herzuleiten und entsprechende Maßnahmen ableiten zu können.

Gleichzeitig schaffen Pre-Mortems eine Atmosphäre, in der die Projektteilnehmer aktiv gefordert werden, ihre Ideen, Ängste und Unsicherheiten zu kommunizieren. Dies wiederum fördert die psychologische Sicherheit im Team (laut Googles „Projekt Aristoteles“ der geheime Faktor für erfolgreiche Teams).

Jeder ist also in dem Pre-Mortem aufgefordert, quer zu denken und potenzielle Risiken aufzudecken, ohne allen Projektteilnehmern eine einheitliche Sichtweise aufzuzwingen. Damit ist ein Grundstein für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Projekt gelegt (Kahneman, 2011).

Ein Beispiel aus der Praxis

Auch bei Echometer nutzen wir diese Methode sowohl bei internen Projekten als auch zum Beispiel, um uns auf Kundentermine vorzubereiten. Vor Kundenterminen stellen wir uns deshalb gegenseitig die Fragen:

  • Was ist eigentlich unser Ziel für den Termin?
  • Wenn wir diese Ziel nicht erreichen sollten, woran würde das liegen?
  • Welche Hindernisse könnte es seitens des Kunden geben?
  • Was können wir tun, um diese Risiken im Vorfeld abzufedern?

Wir sind sicherlich keine Sales-Profis, aber Pre-Mortems helfen uns zumindest, jedes Mal ein kleines bisschen besser zu werden. Außerdem können wir im Nachhinein abgleichen, welche Risiken tatsächlich eingetreten sind und welche nicht. So entwickeln wir ein Gespür für brenzlige Situationen und können uns immer besser darauf einstellen.

In diesem kurzen Vortrag (3 Minuten) erläutert Daniel Kahneman höchstpersönlich, warum Pre-Mortems zu seinen Lieblingsmethoden gehört:

Wirtschaft-Nobelpreisträger Daniel Kahneman über Pre-Mortems

Genau wie Kahneman glauben wir, dass Pre-Mortems vielen Projekten da draußen sehr gut tun und ProjektmanagerInnen das Leben deutlich einfacher machen könnte!

Abschließende Hinweise: Damit eine Pre-Mortem in eurem Team gut funktioniert, braucht es eine gewisse Grundlage an psychologischer Sicherheit. Die 5 Dysfunktionen eines Teams nach Patrick Lencioni sind hier ein häufig verwendetes Beispiel, das euch helfen kann, eine offene Gesprächskultur dafür zu schaffen. Außerdem lohnt sich auch stets ein Blick auf das Mindset der Teammitglieder als weiteren Erfolgsfaktor.

Im nächsten Artikel dieser Reihe stellen wir euch ein Tool vor, mit dem ihr es euren Mitarbeitenden ermöglicht, ihren Traumjob zu bekommen, ohne dafür kündigen zu müssen – also schaut mal rein!

Quellen

Kahneman, D. (2012). Thinking, Fast and Slow.

Kahneman, D., Lovallo, D. & Sibony, O. (2011). Before you make that big decision… Harvard Business Review, 89(6), 50–60.

Klein, G. (2007). Performing a Project Premortem. Harvard Business Review, 85(9), 18–19.

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