Manche Dinge passieren einem nur einmal im Leben. Ein Kind, das mit der flachen Hand auf die heiße Herdplatte fasst, macht diesen Fehler vermutlich nicht noch einmal. Wortwörtlich brennt sich die Fehleinschätzung ein und das Kind lernt, der Herdplatte nicht zu vertrauen. 

Aus Fehlern lernt man also – alltagspsychologisch völlig logisch und sogar ein bekanntes Sprichwort. Trotzdem lässt sich die Situation mit der heißen Herdplatte nicht wirklich auf den Arbeitskontext übertragen. Was ist der Unterschied zwischen einer Verbrennung und dem negativen Feedback eines Vorgesetzten? Und warum sagt die Wissenschaft, dass das Lernen aus Fehlern gar nicht so einfach ist?

Warum eine positive Fehlerkultur einführen?

Eigentlich erscheint es ganz einfach: Auf negative Reize reagieren wir stärker als auf positive. Sie ermöglichen uns eine tiefere Informationsverarbeitung, was bedeutet, dass die Informationen schneller eingeprägt werden, länger gespeichert bleiben und einfacher abgerufen werden können (Bless & Fiedler, 2006; Puig & Szpunar, 2017). Mit Fehlern hat das insofern zu tun, als dass sie meistens negatives Feedback verursachen, welches allgemein einen negativen Reiz darstellt. 

Bleiben wir bei dem Beispiel mit der Herdplatte. Das Kind berührt die heiße Platte und verspürt Schmerz. Dieser Schmerz ist ein negatives Feedback und stößt die Informationsverarbeitung an. Sieht das Kind die Herdplatte ein paar Tage später wieder, wird die Information, dass die Platte heiß sein könnte, abgerufen.

Nun unterscheiden sich allerdings der Schmerz der Verbrennung und die negative Kritik einer Führungskraft. Dies untersuchten kürzlich zwei Wissenschaftlerinnen aus den USA. Sie schauten sich an, unter welchen Bedingungen Fehler tatsächlich zu Lernen führen und fanden Erstaunliches: Wenn auf einen gemachten Fehler ein negatives Feedback folgt ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir aus diesem Fehler lernen sehr gering (Eskreis-Winkler & Fishbach, 2019). Folgt jedoch ein positives Feedback auf richtige Antworten, lernen wir besser. Konkret bedeutet das, dass aus positiver Kritik bezüglich der eigenen Arbeit mehr mitgenommen wird, als aus negativer Kritik. 

Warum reagieren wir auf negative Kritik mit Reaktanz, also mit Widerstand und Trotz? Das liegt daran, dass negative Kritik als selbstwertgefährdend wahrgenommen wird und einen Angriff auf das Ego darstellt. Die entstehenden Versagensgedanken führen letztlich zu dem Gefühl, die eigenen Ziele seien unerreichbar. 

Und was sagt die Zielsetzungstheorie über die Motivation unerreichbare Ziele zu erreichen? Genau – sie ist nicht da. Für den Umgang mit Fehlern im Team bedeuten diese Erkenntnisse ganz klar, dass Kritik keine Gefährdung des Selbstwerts darstellen darf! Die grundlegende Stimmung sollte also von einer Atmosphäre psychologischer Sicherheit geprägt sein, sodass eine positive Fehlerkultur entsteht und Kritik nicht auf einen negativen Nährboden trifft.

Wie wir eine positive Fehlerkultur einführen

Kein Feedback ist definitiv auch keine Lösung. Wie schaffen wir es also, dass Feedback konstruktiv zum Einsatz kommt und die allgemeine Stimmung im Team positives Feedback fördert? Wenn euch die Antworten darauf interessieren, lest doch mal in unseren Artikel zur Fehlerkultur rein, in dem wir ausführliche Schritte zur Entwicklung einer positiven Fehlerkultur beschreiben. Die Kurzfassung lautet: Der Umgang mit Fehlern muss verändert werden, sodass sich Teammitglieder von Anfang an trauen, Fehler transparent zu machen. 

Unter anderem können Fehler in Retros angesprochen werden. Schafft man es, dass die Teammitglieder offen über ihre Fehler reden, kann der Rest vom Team tatsächlich daraus lernen. Ein Lernen aus Fehlern ist also doch möglich! 

Und hier der Clou: Erhält eine andere Person Feedback über einen gemachten Fehler und wir bekommen dies mit, stellt das für uns keine Selbstwertgefährdung dar (Eskreis-Winkler & Fishbach, 2019). Wir verarbeiten das Feedback und nehmen es für unsere eigene Arbeit mit. In einer perfekten Fehlerkultur redet das Team also offen über Herausforderungen und hilft sich damit gegenseitig mit diesen Herausforderungen umzugehen.

Eine positive Fehlerkultur in euren Retrospektiven? – Das geht mit dem Retro-Tool von Echometer!

Erste Maßnahmen in Richtung einer positiven Fehlerkultur 

Entscheidend dafür, ob wir aus Fehlern lernen ist also der Umgang mit ihnen. Schaffen wir es, dass Fehler nicht direkt auf negative Kritik stoßen, die unser Ego angreift, können wir aus gemachten Erfahrungen lernen. 

Damit das funktioniert, müssen wir natürlich zunächst sinnvolle Ziele gesetzt haben. Unser Umfeld muss außerdem so gestaltet sein, dass die Umsetzung und dynamische Anpassung dieser Ziele möglich ist und durch die Teammitglieder gefördert werden. Probiert doch einmal das Retro-Tool von Echometer aus und überzeugt euch selbst davon, was die Einführung einer positiven Fehlerkultur bewirken kann!

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